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Dienstag, 3. Juni 2008

Mulholland Drive ist wie Lego

Einer meiner erklärten Lieblingsfilme ist Mulholland Drive von David Lynch. Irgendwie kam ich heute in der Diskussion mit EmmJay auf das Thema -- und stieß auf eine leicht divergierende Meinung.

Im folgenden findet sich das komplette Chatlog. Wer die Muße hat, sich das durchzulesen, ist herzlich eingeladen seine eigene Meinung kundzutun.

Garvin:Ich lese. Stiller, von Max Frisch. Sehr interessant.

EmmJay: und ich interessiere mich für komische sachen, ja?

Garvin:Ist sehr David Lynch-mäßig. Me likey.

EmmJay: nicht, als würd ich lynch mögen

Garvin:Ich finde die ja ganz großartig und deutungsfähig. Ich würde sagen, dessen Filme sind die, die mich nach dem Sehen immer am nachhaltigsten beschäftigt haben.

Garvin:(mit ausnahmen, ein paar seiner filme sind auch nur kacke)

EmmJay: das ist beeindruckend, betont er doch immer, dass er keine hidden agenda hinter den filmen hat und eben nicht auf bestimmte deutungsnuancen hinaus will. in meinen augen ist das unzusammenhängende, aneinandergestrickte kacke, im versuch, möglichst andersartig auszusehen und zum denken "anzuregen". aber es regt mich nichts zum denken an, wo der autor nicht von vornherein etwas hineingelegt hat. das macht es für mich so ... dreist, was der abzieht. er denkt sich einfach nichts dabei und die leute halten ihn für so genial, weil sie nicht dahinter kommen, was lynch ihnen sagen möchte. ABER ER WILL JA NICHTMAL WAS SAGEN

Garvin:Ich finde schon dass er etwas sagt, indem seine Filme mehrere Deutungsmöglichkeiten unterstützt. Das macht ihn ja noch großartiger, dass man durchaus mehrere Varianten passend argumentieren kann, denn damit vertritt Lynch mehrere sichtweisen. Ich finde schwarz/weiß bei Filmen immer etwas langweilig, und so eine Mehrdimensionalität unterscheidet bei einem Film zwischen passivem und aktivem genuss.

EmmJay: wenn er diese mehrdimensionalität intentional anstreben würde, wärs geil, keine frage. das seh ich aber nicht. er reiht einfach irgendwas aneinander und macht sich dann auch noch lustig über alle menschen, die ihm konkrete fragen stellen in der hoffnung, einer deutung mehr gewicht zu verleihen. und diese romantische anwandlung, das werk produziere sich auch selbst, losgelöst vom autor, macht mich krank, wenn ichs höre.

EmmJay: offene enden sind ja eine sache, aber vollkommen bedeutungsoffene, sprich hand- und fußlose filme zu schaffen, ist für mich kein zeichen von genialität

Garvin:http://de.wikipedia.org/wiki/Mulholland_Drive_%E2%80%93_Stra%C3%9Fe_der_Finsternis

EmmJay: nimm memento. großartig. da kann man sich treffend drüber austauschen, was da nu genau passiert und der film lässt spielraum, suggeriert aber gleichzeitg, dass er konsistent ist

Garvin:die abhandlungen die es über den film gibt finde ich alles sehr treffend, und mit mehreren aussageebenen durchsetzt

EmmJay: ja. mulholland drive ist einer der nervigsten überhaupt

Garvin:dass man da als autor nicht sagen kann "so ist es", finde ich völlig klar.

Garvin:Best film evar.

Garvin:mir fehlt jetzt die zeit das zu argumentieren, dann das ist auf jeden fall sehr umfangreich. kann ich aber bei gelegenheit gerne mal im real life probieren.

EmmJay: mulholland drive ist eine große, große verarsche am publikum. dem ist ein pilotfilm kaputtgegangen, er hat die serie nicht pitchen können, also schneidet er nach anderthalb stunden noch ein bisschen zusammenhangloses zeug dran, das die ersten zwei drittel scheinbar in ein neues licht rücken und wird als genie gefeiert. da könnt ich kotzen.

Garvin:Das rückt ja nicht ins neue Licht, das wird schon deutlicher vorbereitet.

EmmJay: der film ist für mich eine absolute zumutung gewesen.

Garvin:Man muss sich drauf einlassen, sonst ist das tatsächlich etwas schrecklich träges. Aber der Film blüht halt erst im Kopf bei der Deutung richtig auf, und so etwas geniales hat kein anderer film geschafft, so zu reifen.

EmmJay: wenn ich das höre, kann ich nur mitm kopf schütteln. "blüht mit der deutung erst richtig auf". jeder deutungsversuch ist verschwendete zeit, lynch wollte ja niemals etwas damit sagen. diese geschichte mit den 10 hinweisen, was eine riesige verarsche. dafür würde jeder andere eins in die fresse kriegen.

Garvin:Natürlich wollte lynch was sagen, aber was er dann einer Presse sagt die immer nur pointiert was wissen will, ist doch egal. Scheiß auf Lynch und die Personen dahinter, auf den FILM kommt es an.

Garvin:Ist doch auch egal ob der Beleuchter ein Junkie ist und seine Frau umgebracht hat.

EmmJay: und dann diese geschichte mit dem cowboy, wo alle tiefenpsychologischen ansätze richtig abfaseln, was das zeug hält, und für mich ists einfach ein offenes ende, das er nicht besser hat schneiden können, weil er kein filmmaterial mehr hatte

Garvin:Man kann auch Tom Cruise-Filme genießen ohne ihm seinen Scientology-Wahn ankreiden zu müssen, das finde ich super oberflächlich wenn man sich nicht auf die Präsentation einlässt sondern auf das, was unabhängig vom Film ist.

EmmJay: um etwas deuten zu können, müssen die zeichen, die ich deuten möchte, mit einer bedeutung aufgeladen sein. wenn in der produktion dieser aufladungsprozess nicht stattfindet, deute ich mir den arsch ab und nichts passiert. normalerweise ist das scheiße, aber bei lynch großartig. versteh ich nicht.

EmmJay: ich habe an keiner stelle unabhängig vom film (oder seinem produktionsprozess) argumentiert, deine drogen- und scientology-beispiele sind also fernab vom schuss

Garvin:Natürlich ist da eine Aufladung, sonst könnte man den Film ja schließlich nicht entsprechend deuten. Warum brauchst Du unbedingt einen Schiedsrichter? Solange die Argumentation nachvollziehbar ist, musst du dich von "richtig" und "falsch" trennen. Das ist ein Erlebnis, dass den Geist beflügelt.

Garvin:Diese "10 Hints"-Sache ist für mich irrelevant und unabhängig vom Film. Ist doch egal was der Autor sagt, man sollte sich auf das Werk selbst einlassen. Wenn dabei was konträres rauskommt, was einem persönlich etwas gibt und was sich argumentativ vertreten lässt, ist doch das die Wahrheit - und nicht diese 10 hints.

Garvin:Ist bei der Wii ein Nunchuk dabei gewesen?

EmmJay: du deutest jetzt in meine aussagen zu viel rein. ich brauche kein richtig und falsch, aber ich brauche die annahme, dass der autor die deutungen, die diskutiert werden, selber auch indentiert hat. das können gerne sieben verschiedene deutungen sein, die alle diskutierbar sind. aber ich habe im fall von lynch, besonders im fall von mulholland drive, nicht das gefühl, er habe überhaupt deutungen intendiert. das ist für mich eine aneinanderreihung von ideen, fast, als wäre es ein exploratives experiment, um herauszufinden, auf was für bescheuerte ideen das publikum kommt, wenn man ihm so einen zusammenhanglosen kram vorsetzt. das menschliche gehirn ist darauf programmiert, zusammenhänge zu suchen und herzustellen, aber das im publikum auszunutzen und sich als autor auf die faule haut zu legen, ist einfach nur dreist.

Garvin:Also ich finde wenn man mehrere Ebenen in Mulholland Drive argumentativ ausarbeiten kann, müssen sie doch auch von Lynch intendiert gewesen sein. Das spannende ist ja gerade, dass viele Varianten da interpretiert werden können, die alle in sich auch recht logisch sind. Auch wenn Lynch es deiner Logik nach "nicht richtig" gemacht hat, hat er es so zumindest nicht falsch gemacht. :) Und gerade die Ideen-Reihung, die Vielschichtigkeit finde ich spannend. Im Gegensatzu zum Asi-Kino mit viel Boom-Bang und garnichts dahinter ist das doch ein wirklicher Wertgewinn, und vor allem ein Diskussionsgewinn. Wenn ich nach einem Film mit Leuten 3-4 Stunden diskutiere was ich darin gesehen habe, ist das doch wirklich ein Erlebnis. Im Gegensatz zu nem Indiana Jones, wo man sich einmal anlächelt und den Film dann abhakt. Insofern also mal die Frage: Welchen Film findest Du gut, der etwas ähnliches anbieten kann?

EmmJay: as said before, memento.

EmmJay: eXistenZ

Garvin:Letzteren finde ich tierisch clichée und soapig

Garvin:Mag aber am Cast gelegen haben.

EmmJay: und dann gibts da noch diese großartige postmoderne x-files-folge

EmmJay: dieses spielen mit erzählstrukturen kann ich nur gutheißen, wenn es mit absicht geschieht

EmmJay: und eben diese absicht spreche ich lynch ab, bzw. die zielorientierung.

Garvin:Aber man kann so nen Film wie MD IMHO nicht zufällig machen. Man muss ja darauf achten, verschiedene Varianten nicht zu verbauen, und überhaupt zu ermöglichen. Sehe ich nicht ein, dass Lynch da einfach nur Fragmente aneinandergereiht hat, ich finde das alles intendiert.

Garvin:Das Ziel ist ja gerade die Mehrschichtigkeit, und die hat er doch erreicht.

EmmJay: in diesen zwei sätzen waren so viele fehler, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll

Garvin:dann lass es lieber sein

EmmJay: @Varianten verbauen: So ein Mumpitz, was du sagst. Wenn man einfach einen Handlungsstrang oder einen Charakter nicht erklärt oder unbeendet lässt, dann ergeben sich ZIG verschiedene varianten. da muss man nicht darauf achten, irgendwas "nicht zu verbauen".

Garvin:Wenn das alles linear abliefer wäre das richtig

EmmJay: man lässt es einfach offen. in jedem normalen werk ist ein loose end ein großer kritikpunkt, bei lynch ein zeichen großer genialität. versteh ich immer noch nicht.

Garvin:Es gibt ja kein Loose End

EmmJay: der cowboy ist ein einziges loose end.

Garvin:solange der film anregt den kopf zu benutzen, dreht der film im kopf weiter. Das Ende des Films ist ja erst der Anfang seiner Wirkung.

EmmJay: die komische schlüsselbox ist ein loose end. da werden irgendwelche mystik-assoziationen getriggert und nie wieder angesprochen und PLOPP ists ein meisterwerk. meh.

Garvin:Die Schlüsselbox ist ja nur ein Symbol für den Verstand

Garvin:es hat keinen gegenständlichen sinn

EmmJay: ach, ist das so? wer sagt das?

Garvin:Ich sage das. Die schlüsselbox löst den inneren knoten der selbstverneinung des charakters, wirkt als "fallender groschen" und wirkt auf den erkennungszyklus ein

EmmJay: das ist alles nicht besser als diese bedeutungsüberladene amateur-lyrik von 14-jährigen gothic-gören, die irgendwelche worthülsen aneinanderreihen und sich dann toll vorkommen

EmmJay: und du bist voll in deinem deutungsdenken drin und kannst nicht den schritt zurück machen und erkennen, wie du verarscht wirst

Garvin:Ich kann auch nur wiederholen: Wenn man die Gedanken im Film nicht als Erbe des Films annehmen kann, ist er natürlich nichts wert. Wenn du den Film sachlich sehen willst, gehörst Du nicht zur Zielgruppe.

Garvin:Ich werde nicht verarscht, weil ich Freude daran habe die Gedanken dadurch anspringen zu sehen.

Garvin:Das ist doch alles was bei Fiktion zählt

Garvin:Sonst kann man auch bei Reality-Pröll bleiben und seinen Kopf an der Tür abgeben.

EmmJay: na gut, dann hast du offenbar freude daran, dich an der nase herumführen zu lassen von einem marionettenspieler, der dir bedeutungsbrotkrumen vorwirft und dich alleine stehen lässt, nachdem er dich reizüberflutet hat mit irgendwelchen scheinbar tiefenpsychologisch aufgeladenen zeichenaneinanderreihungen. ich find das anmaßend und verweigere meine mitarbeit, wenn ich erkenne, dass mir da nur bedeutungshülsen vorgeworfen werden.

Garvin:Wenn ein Autor es schafft, mir Hülsen vorzuwerfen, die ich motiviert bin zu füllen (weil sie einen verborgene Aussage zu enthalten scheinen) dann ist das doch was gutes. Warum sollte ich mir nur vorgekaute, vollendete Gedankengänge hinlegen lassen? Das ist ja wieder nur purer Konsum.

EmmJay: es ist einfach ausgemachte faulheit des autors, wenn er sich noch nichtmal die mühe macht, mehrere szenarien auszuarbeiten, die in ihrer symbolik und den implikationen alle konsistent sind mit dem gezeigten, dann ist er ein faules arschloch.

EmmJay: jeder krimiautor beherrscht das besser, lenkt den zuschauer auf die falsche fährte, weil es mehrere möglichkeiten gibt, die alle konsistent scheinen

Garvin:Wenn man es ausarbeitet, liegt ja schon alles offen vor einem. Ergo, keine Eigenleistung, keine ernsthafte Anheizung zur Diskussion, kein Reifeprozess.

EmmJay: aber wenn du dir gedanken über verborgene aussagen machen kannst, wohl in dem bewusstsein, dass keine verborgenen aussagen enthalten sind, dann versteh ich immer noch nicht, wie lynch damit als genie bezeichnet werden kann

Garvin:Ja, und ich finde es zwar befriedigend am Ende des Rätsel's Lösung zu sehen -- aber dann bin ich auch fertig mit dem Film, da muss ich mich ja nicht mehr beschäftigen, sondern nur reflektieren und nachspielen.

Garvin:Lynch schafft es, konfuse aber anregende, rhetorische Fragen aufzuwerfen, Deutungsmodelle anzubieten, Freiräume zu lassen, kuriose Geschehenisse bewerten zu lassen.

EmmJay: eine rhetorische frage ist eine, deren antwort offensichtlich ist. das ist die denkbar schlechteste metapher, die du wählen konntest

Garvin:verwechselt mit philosophisch. :-)

EmmJay: und, again, indem er freiräume lässt, begeht er fehler, die in jedem drehbuch-schreiben-one-o-one in kapitel 2 geklärt werden.

Garvin:immerhin muss ich auch nebenbei arbeiten und mir meine gedankenkraft hier zweiteilen ;)

Garvin:Ohne Freiräume kann man aber sein eigenes Ende bzw. seine eigene Aussage nicht konstruieren.

Garvin:Sieh Mulholland Drive als Lego-Set ohne Bauanleitung, aber mit einigen Abbildungen die Teile von Bauwerken beinhalten.

Garvin:Möglichst Bauwerke, von denen Du nie denken würdest, sie mit Lego überhaupt bauen zu können.

Garvin:Denn das ist dann die Leistung von Lynch, die über die Bereitstellung von viereckigen Klötzen hinausgeht.

EmmJay: großartig. mit anderen worten wäre es für dich faszinierend, eine lego-box zu kaufen, die aufgrund eines packaging errors eine anleitung einer anderen box enthalten würde?

EmmJay: und diese anleitung hat auch noch kaffeeflecken und ist teilweise angekokelt.

EmmJay: ich würde sagen "wtf? dafür hab ich geld bezahlt?" und du sagst "oh, geil, lass uns darüber diskutieren, welche teile von der kaputten anleitung ich trotzdem noch mit den steinchen bauen könnte, das wird ein spaß!"

Garvin:Solange ich mit den Bausteinen das nachgebaut kriege, was eigentlich für eine andere Box bestimmt war. Und beim Kauf sollte mir bewusst sein, dass die Box Eigeninitiative verlangt.

Garvin:Auf den letzten Satz reduziert: Ja. Genau.

EmmJay: oh gut. ich muss dann mal kurz zum puppenkönig, ein dutzend lego-sets kaufen, die anleitungen ramponieren und austauschen, das ganze als "kunst" bei ebay einstellen und als genie gefeiert werden. brb.

Garvin:Ramponieren ist ja nicht alles, Du musst Bauwerke bieten, die es so noch nicht gab, und vor allem die beim zusammenbauen bei jedem später etwas anders aussehen und trotzdem stabil sind.

EmmJay: oh. und ich muss noch aus jedem set 5 zentrale lego-steine entfernen, nicht, dass man das original-ding noch herstellen könnte, würde man die original-anleitung finden.

EmmJay: das tolle ist: lego ist stabil genug, um in fast allen varianten verbaut zu werden, egal, ob es die sachen schon gab oder nicht. ich verkaufe dir DEINEN EIGENEN DRANG, etwas konsistentes aus müll zu schaffen.

Garvin:Okay, ich habe meine Satzreduktion wohl zu deutlich gemeint. Es gibt kein Originalding, denn das würde ja voraussetzen dass Lynch so etwas gehabt hätte. Meine Kernaussage ist aber halt, dass es kein einzelnes Bauwerk gibt, sondern das Bauwerk beim Benutzer später erst sein individuelles aussehen erhält, mit den teilen, die gegeben wurde.

Garvin:Mir werden Bauwerke gezeigt, die ich so nicht für möglich gehalten hätte, oder auf deren konzept ich nicht gekommen wäre

EmmJay: genau so ist nämlich das menschliche hirn aufgebaut, es sucht zusammenhänge, wo vielleicht keine sind. und das nutzt lynch aus (soviel gestehe ich ihm ein), und wird als held gefeiert. brillant, wenn man drin steckt, aber verarsche, wenn man sieht, dass man mit den legosteinen auch was gescheites hätte bauen können

Garvin:Gescheit == Nach Bauplänen festgelegt?

EmmJay: gescheit = mit sinn.

Garvin:wer sagt, dass das bauwerk was ich mit lynch's grundidee erstellt habe keinen Sinn haben kann?

EmmJay: lynch. denn irgendwas passt ja immer nicht ins gesamtkonzept. du hast am ende steinchen über, oder welche, die haben die falsche farbe.

EmmJay: wenns nicht so wäre, wenn alles passen würde, wäre es ja nicht lynch, dann wäre es ja - in deinen augen - langweilig.

Garvin:Das kann ja egal sein, da es auf das sinnige Bauwerk ankommt - beschränkung macht eine Sache ja nicht unsinniger.

EmmJay: das ist auch ein mumpitz-argument. wenn ich einen 10-stunden-film zusammenbastel, und 5 minuten davon machen sinn, dann ists ja auch nicht großartig, sondern rubbish

Garvin:Richtig. Aber zum Glück ist deine Übertreibung Mumpitz und trifft nicht auf MD zu, wo man garantiert mehr als 70% in sein Konzept verflechten kann.

EmmJay: sag ich ja. dem isn pilotfilm kaputtgegangen und er hat noch ein bisschen was drangestrickt, um mysteriös und tiefenpsychologisch zu wirken.

Garvin:Ich finde den Film genügend pointiert. Und man kann nie 100% eines Filmes für eine Gesamt-Bedeutung verwenden, da vieles ja immer Plot-Notwendigkeit hat, und oft nur Bedeutung innerhalb einer Szene.

EmmJay: anyway, blog das mal, wenn jemand bis hierhin durchgelesen hat, kann er sich gern in den kommentaren dazu auslassen und dazu werde ich dann auch wieder ein gegenargument haben, und in diesem fall hätte die lynch-induzierte meta-diskussion ja doch noch was gebracht.

EmmJay: was hindert dich, 100% von, oh, let's say, HITCH für die bedeutung des films heranzuziehen?

Garvin:Werde ich machen. Lorenz hat darüber eine mehrseitige Studien-Hausarbeit geschrieben, ich hoffe, er hat etwas beizutragen. :)

Geschrieben von garvin in Blafasel um 11:50 | Kommentare (9) | Trackbacks (0)
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*Ich finde schon die Überschrift meinungsdiskriminierend. Ich würde nicht sagen, dass MD wie Lego ist, aber ich glaube, wer bis hierher durchgedrungen ist, hat das mitbekommen ;)
#1 EmmJay (Link) am 03.06.2008 12:01 (Reply)
*Irgendwo habe ich übrigens mal die Theorie aufgeschnappt, dass alle Programmierer als Kinder besessen von LEGO waren. Wo war das noch?

(Denkpause.)

Ich glaube, in »Mikrosklaven«.

Ansonsten halte ich persönlich grundsätzlich *alles* von Lynch für kolossal überbewertet, aber das sage ich jetzt nicht lau ... ooops :-)
#2 YellowLed (Link) am 03.06.2008 12:46 (Reply)
*Kommt mir ähnlich vor wie bei einem Streitgespräch über experimentelle Lyrik. Die gehen auch immer so, man bräuchte Lynch und MD quasi nur entsprechend zu ersetzen. :-)
Auch da kann man sich nie einigen, es gibt halt unterschiedliche Lesarten, die methodisch inkompatibel sind.

Mein Eindruck ist, man darf an Lynch nicht mit dem Kopf herangehen, genauso wenig wie an manche Lyrik.
Die von EmmJay beklagten Leerstellen im Plot sind dann nämlich keine. Sie sind gefüllt mit Bildern und Tönen, deren Bedeutungsgehalt freilich nicht klar hervortritt wie bei einem stringenten Plot, die aber gerade deswegen sehr anregend sind und Stoff für weitere Beschäftigung hergeben. Das finde ich gut und ist völlig unabhängig davon, ob Lynch irgendwas intendiert hat oder nicht.
Ich mag viele Lynch-Filme (Dune hat mich allerdings entsetzlich gelangweilt), ich mag den absurden Humor, der da manchmal aufflackert, das abgedrehte Personal, die noirhafte Atmosphäre, den geschickten Einsatz von Sounds und Farben und das Spiel mit Symbolen. Das reicht mir schon zum Genuss, es ist mir gar nicht so wichtig, dann auch noch eine stimmige Interpretation zu finden. Daher finde ich es auch gut, dass er keine liefert, ich glaube, das würde mir den Spaß an den Filmen rauben. ;-)
#3 LostBit (Link) am 03.06.2008 15:45 (Reply)
Schön, dass du Stiller liest. Großartiges Buch. Aber das sagte ich ja bereits.
#4 Vicky am 04.06.2008 00:34 (Reply)
Hihihihi. Ich habe gar keine Lust das dingen schon wieder auseinander zu nehmen, das hab ich vor vielen Jahren schon mal gemacht. Ich wollte nur sagen das ich das hier super finde:

das ist alles nicht besser als diese bedeutungsüberladene amateur-lyrik von 14-jährigen gothic-gören, die irgendwelche worthülsen aneinanderreihen und sich dann toll vorkommen

Ich glaube bei MD gibt's nichts zu diskutieren, der ist viel zu polarisierend. Entweder hat man den antrieb sich danach damit auseinanderzusetzen oder halt nicht. Prost.
#5 Lewe am 04.06.2008 08:50 (Reply)
*Interessant, interessant, die Herren. Das Wort "Verkopfung" schwirrt mir jetzt anhaltend im Geiste.

Im Grunde fühlt es sich an wieein Streitgespräch zwischen einem Agnostiker und einem Atheisten.
#6 serotonic (Link) am 05.06.2008 08:46 (Reply)
Ohjeohjeohje. Ich hab's nicht bis zum Ende geschafft, dafür war mir der Diskussionsstil von Herrn Jay entschieden zu aggressiv und selbstgerecht. Beeindruckend, Garv, daß du dich 10 Seiten lang so anmetern lassen kannst, ohne dein Gegenüber irgendwann um einen respektvolleren Umgangston zu bitten...

Ich mag den Film sehr. Bin allerdings auch nicht der Mensch, der Filme wie Puzzles konsumiert - als solcher ist man wohl mit Akte X tatsächlich besser bedient. Übersichtlich, eindeutig, alles klärt sich - so soll's sein, da schläft man gut.

Die Story von Mulholland Drive habe ich noch gar nicht bis ins letzte Detail zu entschlüsseln versucht. Mich beeindrucken die unglaublich tiefen und changierenden Charaktere, die intensiven Situationen, die alptraumhafte Phantasie. Wer glaubt, so etwas entstehe als Abfallprodukt eines planlosen Drehbuchs so nebenher, stellt sich das Filmemachen vielleicht etwas einfach vor.
#7 Lorenz am 06.06.2008 00:56 (Reply)
Nachtrag:

Und selbst, wenn seine Filme tatsächlich keine Geschichte zu erzählen hätten, wenn Lynch sie tatsächlich selber nicht kennen sollte - wann und wo wurde denn beschlossen, daß ein solcher Film keine Daseinsberechtigung hätte?
Meinetwegen kann er seine Filme aus Versehen und im Vollrausch schlafwandelnd drehen - solange sein Unterbewußtsein solche Ideen und Bilder ausspuckt, soll es mir recht sein.
#7.1 Lorenz am 06.06.2008 01:04 (Reply)
*Einer der beiden will oder kann den Film offenbar nicht verstehen. Zudem ist seine Art zu diskutieren einfach nur unverschämt.
Es gibt exzellente Deutungen von MD, beispielsweise die Traum/Realität - Interpretation. Bei dieser ergeben auch viele von Lynchs 10 Hints großen Sinn (erste Szene des Films: langsames Heranzoomen an ein Kopfkissen, doppelt vorkommende Namen etc).
#8 5L am 18.06.2008 16:55 (Reply)

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