Freitag, 26. Mai 2006
The DaVinci Code / Sakrileg
Eher spontan haben wir es gestern gemeinsam ins Kino geschafft, um den daVinci Code zu sehen.Das alleine war erstmal ein größeres Unterfangen, denn sowohl das Cinedom als auch Kinopolis waren komplett ausgebucht, weshalb wir uns in den Filmpalast Köln verziehen mussten und dort noch nichtmal Platzkarten bekamen. Kurz vor knapp hat dann doch noch alles geklappt, und wir konnten uns an den X-Men3-Previewschlangen vorbei ins Kino setzen.
Um dann eine geschlagene Stunde (60 Minuten!) Werbung und Trailer anzusehen. Soviel zu "Verschwende Dein Leben". Hinreichend frustriert fing also dann endlich die heißersehnte Buchumsetzung von Dan Browns Bestseller an (Zitat aus meinem Buch-Review, was ja glücklicherweise auch auf den Film zutrifft und mir Tipp- und Geistesarbeit erspart):
Geschichtsprofessor Robert "Indiana" Langdon befindet sich derzeit in Paris, macht etwas Promotion für sein Buch und hält Vorlesungen über Ikonografie. Als er abends gemütlich in seinem Hotel abhängt, wird er unvermittelt von einem französischen Polizisten gebeten zu einem Mordschauplatz zu kommen. Der bekannte Direktor des Louvre, Jaques Saunière ist ermordet worden, und Robert hätte der letzte sein müssen, der ihn lebend gesehen hatte. Ohne es zu merken wird Robert so Hauptverdächtiger in diesem Mordfall, und wird mit der Leiche konfrontiert; vor allem mit den merkwürdigen Begleitumständen: Saunière liegt in gespreizter Pose und halbnackt auf dem Boden, mit dieser Position, seinem Blut und derangierten Objekten hat er anscheinend versucht eine letzte Meldung zu hinterlassen. Diese Meldung soll Robert mit seinen ikonografisch-geschichtlichen Fähigkeiten dechiffrieren. Erschwerend kommt hinzu, dass Robert erst bewusst wird, dass er Hauptverdächtiger ist, als ihm dies die Kryptografieexpertin (und zufällige Tochter Saunières) Sophie Neveu steckt während er den Schauplatz nach Hinweisen absucht. Gemeinsam bereiten sie eine Flucht von dem allzu sicheren Polizeiinspektor vor, und versuchen das Vermächtnis Saunières gemeinsam zu entdecken.
Schnell stellt sich heraus, dass eben diese Suche die nach dem "Heiligen Gral" ist...
Die Umsetzung des Films liegt eigentlich so nah am Buch, wie es überhaupt möglich ist - alle Aspekte des Buches werden aufgegriffen und mehr oder weniger gekonnt in Szene gesetzt.
Während mir die Besetzung Robert Langdons mit Tom Hanks anfangs etwas komisch vorkam, funktionierte das zumindest im Trailer des Filmes für mich erstmal wunderbar. Im Laufe des Films fehlte mir dann jedoch schon die Dynamik des Buch-Roberts, die Hanks doch eher träge und "belesen" rüberbringt. Audrey Tatou als Sophie war zumindest optisch extrem passend, hat auch sonst ihre Rolle glaubhaft rübergebracht - aber mich extrem, extrem, extrem mit ihrem französischen Akzent genervt. Natürlich tut das der Credibility gut, und wird im O-Ton sicher auch ähnlich sein, aber mich hat es einfach gestört ohne Unterlass.
Die Szenerie des Films und Ästhetik entsprach eigentlich auch voll meinen Erwartungen und Vorstellungen des Buches, hier hat man detailgetreu umgesetzt - gerade die Szenen mit Silas habe ich mir exakt so vorgestellt.
Verwirrend waren jedoch die Hetzjagden mit Opus Dei und dessen Bischof - hätte ich das Buch nicht gelesen, hätte ich diese ganze Verwicklung inklusive Bezu Fache eigentlich nicht verstanden. Als "Erstseher" wäre mir die Rolle des ganzen jedenfalls komplett verschlossen geblieben - ging das nur mir so?
Die Auseinandersetzung mit den "Grundfesten" des katholischen Glaubens fand ich im Film übrigens sehr stiefmütterlich behandelt. Da ist man dank kritischen Einwürfen von anderen Charakteren doch sehr versöhnlich mit Katholiken umgegangen, und man hat den Eindruck, dass manche Passagen entschärft rübergebracht werden, um nicht zu kontrovers zu wirken. Schade eigentlich, denn die Diskussion des Buches wird so eigentlich nicht ernsthaft umgesetzt. Was übrigens nicht heißen soll, dass ich das Thema als "Wahrheit" ansehe. Es ist genauso Fiktion und individuelle Auseinandersetzung mit einem Thema, wie die Bibel selbst.
Die jenigen jedenfalls, die sich vom Film angegriffen fühlen, sollten das ganze ruhig stärker als fiktive Diskussionsebene sehen.
Wobei ich auch schon beim Hauptkritikpunkt bin: Ich fand schon das Buch wesentlich schlechter als den Vorgänger Angels and Demons (Illuminati). Die Story dort war wesentlich energischer und meiner Meinung nach auch packender und faszinierender als die Gralssuche. Da hätte ich mir eigentlich lieber die Umsetzung dieses Buches gewünscht.
Als Kenner des Buches ist der Film etwas mit Vorsicht zu genießen - anstelle den Film wie andere auf sich wirken zu lassen, muss man dann der originalgetreuen Umsetzung sich höchstens Szene für Szene die Frage stellen "Mal gespannt wie der XXX umsetzt" oder "ah, jetzt kommt XXX, mal schauen ob das so ist, wie ich mir das vorgestellt habe". Aber das ist ja vermutlich ein Problem einer jeden Buchumsetzung.
Fast zu originalgetreu wirkten einige der hölzernen Dialoge, die ihre Herkunft einer Buchadaption nicht verstecken können. Zu oft wundert man sich im Filmverlauf, wie wahnsinnig auf Zack Herr Langdon sein muss, was im Buch aufgrund der Dauer der Beschreibung nicht so negativ auffällt. Denn wie Robert teilweise Rätsel löst, lässt einen nur mit dem Kopf schütteln.
Am herausragendsten war da für mich noch Ian McKellen als Leigh Teabing, dem man seine Rolle wirklich voll abgenommen hat. Ursprünglich dachte ich, dass für die perfekte Rolle eher Jean Reno gecastet wurde, der mich aber im Film aufgrund seiner fehlenden Präsenz und nicht erklärten Motivation fast deplaziert wirkte. Genauso wie Alfred Molina, dessen Rolle im Film so beiläufig war, dass man ihn nicht würdigen konnte.
Für Unkenner des Buches durchaus ein Filmtipp, der einiges an Spannung und Twists bietet. Liebhaber des Buches erfahren leider (wie erwartet) nichts neues, erfahren aber auch keine "mind-blowing" Umsetzung wie ich vielleicht anhand des Trailers gehofft hatte. Mir hat die Langatmigkeit des Filmes jedenfalls doch sehr auf den Magen geschlagen und gerade beim nicht-enden-wollenden Ende bin ich in meinem Stuhl auf- und abgerutscht.
Als Buchumsetzung gesehen gibt's von mir 7 IMDB-Punkte, als eigenständiger Film 7 IMDB-Punkte. Von meinem eigenen Spaßfaktor her waren es jedoch nur 5 IMDB-Punkte, was ich dann zusammen zu 6 IMDB-Punkten verrechne.
Während mir die Besetzung Robert Langdons mit Tom Hanks anfangs etwas komisch vorkam, funktionierte das zumindest im Trailer des Filmes für mich erstmal wunderbar. Im Laufe des Films fehlte mir dann jedoch schon die Dynamik des Buch-Roberts, die Hanks doch eher träge und "belesen" rüberbringt. Audrey Tatou als Sophie war zumindest optisch extrem passend, hat auch sonst ihre Rolle glaubhaft rübergebracht - aber mich extrem, extrem, extrem mit ihrem französischen Akzent genervt. Natürlich tut das der Credibility gut, und wird im O-Ton sicher auch ähnlich sein, aber mich hat es einfach gestört ohne Unterlass.

Die Szenerie des Films und Ästhetik entsprach eigentlich auch voll meinen Erwartungen und Vorstellungen des Buches, hier hat man detailgetreu umgesetzt - gerade die Szenen mit Silas habe ich mir exakt so vorgestellt.
Verwirrend waren jedoch die Hetzjagden mit Opus Dei und dessen Bischof - hätte ich das Buch nicht gelesen, hätte ich diese ganze Verwicklung inklusive Bezu Fache eigentlich nicht verstanden. Als "Erstseher" wäre mir die Rolle des ganzen jedenfalls komplett verschlossen geblieben - ging das nur mir so?
Die Auseinandersetzung mit den "Grundfesten" des katholischen Glaubens fand ich im Film übrigens sehr stiefmütterlich behandelt. Da ist man dank kritischen Einwürfen von anderen Charakteren doch sehr versöhnlich mit Katholiken umgegangen, und man hat den Eindruck, dass manche Passagen entschärft rübergebracht werden, um nicht zu kontrovers zu wirken. Schade eigentlich, denn die Diskussion des Buches wird so eigentlich nicht ernsthaft umgesetzt. Was übrigens nicht heißen soll, dass ich das Thema als "Wahrheit" ansehe. Es ist genauso Fiktion und individuelle Auseinandersetzung mit einem Thema, wie die Bibel selbst.
Die jenigen jedenfalls, die sich vom Film angegriffen fühlen, sollten das ganze ruhig stärker als fiktive Diskussionsebene sehen. Wobei ich auch schon beim Hauptkritikpunkt bin: Ich fand schon das Buch wesentlich schlechter als den Vorgänger Angels and Demons (Illuminati). Die Story dort war wesentlich energischer und meiner Meinung nach auch packender und faszinierender als die Gralssuche. Da hätte ich mir eigentlich lieber die Umsetzung dieses Buches gewünscht.
Als Kenner des Buches ist der Film etwas mit Vorsicht zu genießen - anstelle den Film wie andere auf sich wirken zu lassen, muss man dann der originalgetreuen Umsetzung sich höchstens Szene für Szene die Frage stellen "Mal gespannt wie der XXX umsetzt" oder "ah, jetzt kommt XXX, mal schauen ob das so ist, wie ich mir das vorgestellt habe". Aber das ist ja vermutlich ein Problem einer jeden Buchumsetzung.
Fast zu originalgetreu wirkten einige der hölzernen Dialoge, die ihre Herkunft einer Buchadaption nicht verstecken können. Zu oft wundert man sich im Filmverlauf, wie wahnsinnig auf Zack Herr Langdon sein muss, was im Buch aufgrund der Dauer der Beschreibung nicht so negativ auffällt. Denn wie Robert teilweise Rätsel löst, lässt einen nur mit dem Kopf schütteln.
Am herausragendsten war da für mich noch Ian McKellen als Leigh Teabing, dem man seine Rolle wirklich voll abgenommen hat. Ursprünglich dachte ich, dass für die perfekte Rolle eher Jean Reno gecastet wurde, der mich aber im Film aufgrund seiner fehlenden Präsenz und nicht erklärten Motivation fast deplaziert wirkte. Genauso wie Alfred Molina, dessen Rolle im Film so beiläufig war, dass man ihn nicht würdigen konnte.
Für Unkenner des Buches durchaus ein Filmtipp, der einiges an Spannung und Twists bietet. Liebhaber des Buches erfahren leider (wie erwartet) nichts neues, erfahren aber auch keine "mind-blowing" Umsetzung wie ich vielleicht anhand des Trailers gehofft hatte. Mir hat die Langatmigkeit des Filmes jedenfalls doch sehr auf den Magen geschlagen und gerade beim nicht-enden-wollenden Ende bin ich in meinem Stuhl auf- und abgerutscht.
Als Buchumsetzung gesehen gibt's von mir 7 IMDB-Punkte, als eigenständiger Film 7 IMDB-Punkte. Von meinem eigenen Spaßfaktor her waren es jedoch nur 5 IMDB-Punkte, was ich dann zusammen zu 6 IMDB-Punkten verrechne.
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Kommentare
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Den Film werd ich mir dann auch bald mal angucken - und ich leibäugle ja mit dem Originalsprachschuber der DanBrownTaschenbücher für 30 Euro... Sollte ich mir als angehender Theologe wohl mal anschaffen...
Und danke für die feine Kritik, wie auch den Tipp bei mir


An dem Tag haben Emba und ich jedenfalls erstmalig probiert die Cinedom-Tickethotline zu bemühen, und hatten erst nach gut 2 Stunden das erste Mal jemand am Telefon. Da war ich schon gut gefrustet, dass ihr keine Online-Reservierung habt.

Ich kann Dir jedenfalls nur den O-Ton daVinci ans Herz legen. Die Bücher sollte man IMHO tatsächlich gelesen haben. Und auch wenn ich persönlich die theologische Auseinandersetzung vom daVinco Code nicht wirklich als ersthaft ansehe, spielt sie schon mit interessanten Gedanken, die man auch gerne theologisch ernst nehmen kann.
Dann werde ich wohl allein der theologischen Auseinandersetzung deinerseits Dein Blog ja künftig abonnieren müssen.

Grade bei Dan Brown finde ich interessant, wie die Leser damit umgehen. Es gibt halt ein Bedürfnis zu glauben, dass Jesus und Maria Magdalena verheiratet waren - obwohl es so gut zu beweisen ist, wie der Gang Jesu auf dem Wasser.
(Das ist noch kein Beweis, dass die es nicht waren, aber nichtmals ungläubige Historiker können so mit den Quellen umgehen, wie es Dan Brown tut . und auch darf, weil er ja nur einen Roman schreibt.)Bevors hier ausartet wünsche ich Dir mal ein schönes Restwochenende.


Was die Interpretation Dan Browns Werke angeht - ich erwähnte ja schon leicht, dass für mich die Bibel rein prinzipiell ja auch "nur" der Versuch mehrerer Autoren ist, eine Aussage an den Mann zu bringen. Genauso wie Dan Brown mit seinem Buch Unterhaltung an den Mann bringen will.
Aufgrund der in der westlichen Welt vorhandenen Liberalisierung und Emanzipation ist es da ja anscheinend Zeitgeist, dass man auch die Bibel in Sachen Sexualität und Gleichberechtigung ins moderne Licht rücken will. Und je nachdem, wozu man meint, Religion zu benötigen, ist es ja nicht verwegen, eine Anpassung des "Kanons" in Gang zu bringen.
Im Laufe der Jahrhunderte hat man es ja immer geschafft, die Auslegungsfähigkeit der Bibel zu strapazieren. Mit Aufnahme des ein oder anderen vernachlässigten Evangeliums würde man sicher auch moderne Theorien da gut unterbringen.
Eine ernsthafte Lektüre zu dem Thema würde mich übrigens tatäschlich interessieren, aber gerne auch nicht nur mit einseitiger Beweislast.

Ich freue mich jedenfalls immer, wenn die Kommentarfunktion meines Blogs mal was zu tun bekommt, was nicht mit der Abarbeitung von Spam zu tun hat.


So wie mich der Film in seinen Bann gezogen hat, werde ich mir nun auch noch mal das Buch kaufen.
(Da ich die Musik am Ende auch schon so genial fand, (über den Geschmack lässt sich streiten)hab ich auch schon das Album mit den Soundtracks im Wohnzimmer liegen...Spitze!!!)
#6
Lisa
am
11.06.2006 13:47



















