Dienstag, 16. Mai 2006
Berufsrespekt
Anlässlich des derzeitigen Ärztestreiks habe ich mir gestern doch mal so meine Gedanken gemacht.
Dankenswerterweise hat mich mein Computer-Fanatismus mit etwas Talent beschert, meinen derzeitigen Job auszuüben und damit auch nicht wirklich wenig Geld zu verdienen. Wenn ich aber ab und an über den Sinngehalt eines Webprogrammieres nachdenke, ist es mir doch schon beinahe etwas unangenehm, einen solchen Beruf gewählt zu haben.
Spaß macht es absolut, man hält seine Gehirnwindungen fit, und man erstellt für Leute etwas, was deren Produktivität erhöht, ihrem Image hilft oder neue Märkte erschließt. Das ist toll für mich und meinen Arbeitgeber, weil dabei Geld rumspringt. Das ist toll für den Kunden, weil er einen gesteigerten Nutzwert für was-auch-immer hat.
Aber die Menschheit bringt das ganzheitlich eher weniger voran. Was bringt es den Menschen von heute, ihren Arbeitsamtgang online zu erledigen, ihre Finanzbuchhaltung online durchzuführen, ihre Tagebücher online zu schreiben oder online Dinge zu (ver)kaufen? Es bringt der Menschheit einen höheren Pfläz-Faktor, es macht sie zu Couchpotatoes, steigert ihren Konsum und ihr Entertainment. Es macht das Leben einen Tick angenehmer, es gibt Ihnen Zerstreuung und Spaß.
Das ist zwar ein netter Erfolg für einen Arbeiter wie mich, aber gemessen an den Problemen der Menschheit ist so ein Job lächerlich.
Dankenswerterweise hat mich mein Computer-Fanatismus mit etwas Talent beschert, meinen derzeitigen Job auszuüben und damit auch nicht wirklich wenig Geld zu verdienen. Wenn ich aber ab und an über den Sinngehalt eines Webprogrammieres nachdenke, ist es mir doch schon beinahe etwas unangenehm, einen solchen Beruf gewählt zu haben.
Spaß macht es absolut, man hält seine Gehirnwindungen fit, und man erstellt für Leute etwas, was deren Produktivität erhöht, ihrem Image hilft oder neue Märkte erschließt. Das ist toll für mich und meinen Arbeitgeber, weil dabei Geld rumspringt. Das ist toll für den Kunden, weil er einen gesteigerten Nutzwert für was-auch-immer hat.
Aber die Menschheit bringt das ganzheitlich eher weniger voran. Was bringt es den Menschen von heute, ihren Arbeitsamtgang online zu erledigen, ihre Finanzbuchhaltung online durchzuführen, ihre Tagebücher online zu schreiben oder online Dinge zu (ver)kaufen? Es bringt der Menschheit einen höheren Pfläz-Faktor, es macht sie zu Couchpotatoes, steigert ihren Konsum und ihr Entertainment. Es macht das Leben einen Tick angenehmer, es gibt Ihnen Zerstreuung und Spaß.
Das ist zwar ein netter Erfolg für einen Arbeiter wie mich, aber gemessen an den Problemen der Menschheit ist so ein Job lächerlich.
Schaun wie uns doch mal andere Berufsfelder an. Vorzugsweise die Jobs, die den Menschen richtig Geld bringen.
Der Anwalt zum Beispiel, eine Position die einen doch hohen Ansehens- und Einkommensfaktor hat. Erst vor kurzem habe ich Die Neanderthal Parallaxe gelesen, in der eine recht interessante Theorie vorgebracht wurde. Dort vertreten alle Personen sich selbst vor Gericht, ohne Anwälte und ähnlichem. Die Gesetze sind dementsprechend so ausgelegt, dass sie der normale Bürger nachvollziehen kann und somit kein rechtliches Fachwissen benötigt. Grundsätzlich ist diese Idee sehr verführerisch, wenn das Gesetzt soweit entzweigt werden könnte, dass man als normaler Mensch gesetzestreu handeln könnte, und Klagewahn der Menschen eingegrenzt würde.
Solange aber der Mensch an sich noch streitsüchtig ist, würde man wohl an Realitätsverlust leiden, sich ein anwaltsloses Szenario vorstellen zu können. Insofern unterstützen Anwälte also das Fehlverhalten der komplexen Gesellschaft und sind für uns unabdingbar. Ihr hohes Gehalt und Nutzen entsteht vorderrangig durch unsere Habsucht, und fällt es schwierig, pauschal über Anwälte herzufallen, wenn man selbst deren Bedarf produziert. Trotzdem behaupte ich kühn, dass der Notwendigkeitsfaktor des Anwalts ähnlich hoch ist wie der meines Jobs: Gemessen an der Wichtigkeit für die Menschheit ist er vernachlässigbar.
Schauen wir uns einmal die Großverdiener an: Manager von großen Firmenkonzernen, Firmenchefs wie Bill Gates oder die von Automobilkonzernen. Sie entscheiden über nachfragestarke Konsumgüter, Unterhaltungselektronik und andere Spaßmacher. Zwar beschäftigen Sie damit einen Großteil der arbeitenden industrialisierten Bevölkerung, aber sehen wir es mal so: Wäre die Menschheit am Boden, wenn es keine Autos gäbe? Keine Kreuzfahrtsschiffe oder gar PCs, die unseren Alltag so bestimmen?
Wie sähe die Welt aus, wenn es keine Großverdiener gäbe wie Michael Schumacher, millionenschwere Boxer oder TV-Entertainer wie Stefan Raab? Richtig, wir würden vermutlich genauso in den Tag leben, wie es die Massen von Menschen in der Vergangenheit taten.
Entertainment ist großartig, und bestimmt auch meinen Alltag - aber sollte das das Arbeitsfeld sein, was den meisten Kommerz, Gewinn, Gehalt und Ansehen verdient?
Damit komme ich nach einem langen Bogen endlich zu dem, was ich sagen will: Man schaue sich bitte die Berufsfelder an, die die Menschheit weiterentwickeln, sich um Beschäftigung und Lebensqualität kümmern:
Professoren, Forscher, Politiker und Ärzte.
Und wie ist deren Ansehen und Verdienst heutzutage in der Bevölkerung? Ohne kommerzielle Aussicht auf Einsatzzwecke wird klimatechnische oder anthropologische Forschung kaum gefragt. Höchstens Biotechnik oder Pharmazeutik belohnt Forscher mit guten Einnahmeaussichten - aber nur so lange, wie ein Produkt auch "Unterhaltungswert" bietet wie Viagra und Aspirin.
Politiker heutzutage sind (IMHO berechtigterweise) verpönt, weil sie sich mit Vitamin B überhäufen, kommerzielle Gesichtspunkte überbewerten und den Eindruck der egozentrischen Inkompetenz ausstrahlen. Aber warum? Richtig, weil die klugen Köpfe sich in der Wirtschaft die Nase vergolden lassen. Aber müsste es nicht wichtiger sein, diese Köpfe im Staatsdienst zu haben? Aufzuräumen mit dem "dummen Beamtentum", dessen Eindruck allgegenwärtig und BILD-gefördert ist; wieder Respekt vor dem Staat und der Politik haben zu können.
Ohne gute Köpfe in der Politik wird die Gesellschaft zusammenbrechen, wird das Klima-Chaos ohne Gedankenarbeit uns überlaufen. Wieder Respekt vor den Ärzten haben, die tagtäglich unsere eigene Haut retten, die ihren Job aus Überzeugung machen - schlicht, weil sie finanziell total unterbezahlt sind.
Warum verdient ein Schumacher mit dem Herumfahren eines Marketing-trächtigen Autos Millarden, Menschen die einer runden Kugel auf grünem Rasen hinterhereilen ebenfalls, aber ein Arzt der jeden Tag mehrere Menschenleben rettet oder Lebensqualität sichert, wird unterbezahlt und dann auch noch im öffentlichen Ansehen diskreditiert und zum Sparen veranlasst?
Warum verdient ein Staatsoberhaupt, der für das Wohl Gesamt-Deutschlands herangezogen wird, nur einen Bruchteil dessen, was monatlich auf dem Konto eines Entertainers wie Stefan Raab landet?
Warum geben wir zig-tausend Euro für Konsum aus, sind aber im Gegenzug nicht bereit, aus eigener Tasche einen Arzt zu bezahlen, der uns heilt? Klar bezahlen wir mittels Krankenversicherung einen gewissen Anteil, aber mal realistisch gesehen: Der Normalbürger bezahlt weitaus mehr Geld im Jahr für einen Klotz Metall, der sein gemütliches Hinterteil von A nach B bringt, anstelle dafür, dass es Fachkräfte gibt die unser Leben retten.
Soviel zu meinem Gewissenskonflikt zur Berufswahl und dem nötigen Respekt vor wirklich wichtigen Berufen. Kommentare erwünscht.
Der Anwalt zum Beispiel, eine Position die einen doch hohen Ansehens- und Einkommensfaktor hat. Erst vor kurzem habe ich Die Neanderthal Parallaxe gelesen, in der eine recht interessante Theorie vorgebracht wurde. Dort vertreten alle Personen sich selbst vor Gericht, ohne Anwälte und ähnlichem. Die Gesetze sind dementsprechend so ausgelegt, dass sie der normale Bürger nachvollziehen kann und somit kein rechtliches Fachwissen benötigt. Grundsätzlich ist diese Idee sehr verführerisch, wenn das Gesetzt soweit entzweigt werden könnte, dass man als normaler Mensch gesetzestreu handeln könnte, und Klagewahn der Menschen eingegrenzt würde.
Solange aber der Mensch an sich noch streitsüchtig ist, würde man wohl an Realitätsverlust leiden, sich ein anwaltsloses Szenario vorstellen zu können. Insofern unterstützen Anwälte also das Fehlverhalten der komplexen Gesellschaft und sind für uns unabdingbar. Ihr hohes Gehalt und Nutzen entsteht vorderrangig durch unsere Habsucht, und fällt es schwierig, pauschal über Anwälte herzufallen, wenn man selbst deren Bedarf produziert. Trotzdem behaupte ich kühn, dass der Notwendigkeitsfaktor des Anwalts ähnlich hoch ist wie der meines Jobs: Gemessen an der Wichtigkeit für die Menschheit ist er vernachlässigbar.
Schauen wir uns einmal die Großverdiener an: Manager von großen Firmenkonzernen, Firmenchefs wie Bill Gates oder die von Automobilkonzernen. Sie entscheiden über nachfragestarke Konsumgüter, Unterhaltungselektronik und andere Spaßmacher. Zwar beschäftigen Sie damit einen Großteil der arbeitenden industrialisierten Bevölkerung, aber sehen wir es mal so: Wäre die Menschheit am Boden, wenn es keine Autos gäbe? Keine Kreuzfahrtsschiffe oder gar PCs, die unseren Alltag so bestimmen?
Wie sähe die Welt aus, wenn es keine Großverdiener gäbe wie Michael Schumacher, millionenschwere Boxer oder TV-Entertainer wie Stefan Raab? Richtig, wir würden vermutlich genauso in den Tag leben, wie es die Massen von Menschen in der Vergangenheit taten.
Entertainment ist großartig, und bestimmt auch meinen Alltag - aber sollte das das Arbeitsfeld sein, was den meisten Kommerz, Gewinn, Gehalt und Ansehen verdient?
Damit komme ich nach einem langen Bogen endlich zu dem, was ich sagen will: Man schaue sich bitte die Berufsfelder an, die die Menschheit weiterentwickeln, sich um Beschäftigung und Lebensqualität kümmern:
Professoren, Forscher, Politiker und Ärzte.
Und wie ist deren Ansehen und Verdienst heutzutage in der Bevölkerung? Ohne kommerzielle Aussicht auf Einsatzzwecke wird klimatechnische oder anthropologische Forschung kaum gefragt. Höchstens Biotechnik oder Pharmazeutik belohnt Forscher mit guten Einnahmeaussichten - aber nur so lange, wie ein Produkt auch "Unterhaltungswert" bietet wie Viagra und Aspirin.
Politiker heutzutage sind (IMHO berechtigterweise) verpönt, weil sie sich mit Vitamin B überhäufen, kommerzielle Gesichtspunkte überbewerten und den Eindruck der egozentrischen Inkompetenz ausstrahlen. Aber warum? Richtig, weil die klugen Köpfe sich in der Wirtschaft die Nase vergolden lassen. Aber müsste es nicht wichtiger sein, diese Köpfe im Staatsdienst zu haben? Aufzuräumen mit dem "dummen Beamtentum", dessen Eindruck allgegenwärtig und BILD-gefördert ist; wieder Respekt vor dem Staat und der Politik haben zu können.
Ohne gute Köpfe in der Politik wird die Gesellschaft zusammenbrechen, wird das Klima-Chaos ohne Gedankenarbeit uns überlaufen. Wieder Respekt vor den Ärzten haben, die tagtäglich unsere eigene Haut retten, die ihren Job aus Überzeugung machen - schlicht, weil sie finanziell total unterbezahlt sind.
Warum verdient ein Schumacher mit dem Herumfahren eines Marketing-trächtigen Autos Millarden, Menschen die einer runden Kugel auf grünem Rasen hinterhereilen ebenfalls, aber ein Arzt der jeden Tag mehrere Menschenleben rettet oder Lebensqualität sichert, wird unterbezahlt und dann auch noch im öffentlichen Ansehen diskreditiert und zum Sparen veranlasst?
Warum verdient ein Staatsoberhaupt, der für das Wohl Gesamt-Deutschlands herangezogen wird, nur einen Bruchteil dessen, was monatlich auf dem Konto eines Entertainers wie Stefan Raab landet?
Warum geben wir zig-tausend Euro für Konsum aus, sind aber im Gegenzug nicht bereit, aus eigener Tasche einen Arzt zu bezahlen, der uns heilt? Klar bezahlen wir mittels Krankenversicherung einen gewissen Anteil, aber mal realistisch gesehen: Der Normalbürger bezahlt weitaus mehr Geld im Jahr für einen Klotz Metall, der sein gemütliches Hinterteil von A nach B bringt, anstelle dafür, dass es Fachkräfte gibt die unser Leben retten.
Soviel zu meinem Gewissenskonflikt zur Berufswahl und dem nötigen Respekt vor wirklich wichtigen Berufen. Kommentare erwünscht.
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Traurig, denn das Wissen, das diese Menschen haben, ist tausendmal mehr wert als Produkte zu verscherbeln. Sprechen wir gar nicht erst vom daraus resultierenden Vertrauensverlust auf Seiten der Patienten.
Alles, was ich jetzt noch zu deinem Artikel sagen kann ist: WORD!
Das Problem liegt auch noch woanders: Viele Ärzte verschwinden in der Forschung, um Medikamente für Krankheiten zu erfinden, die es noch nicht gibt oder keine sind. Zum Beispiel die Wechseljahre oder graue Haare werden ja unterdessen als Krankheit eingestuft. Glaubt ihr mir nicht? Dann schaut mal Werbung.


















