
Seit gut zwei Wochen habe ich ja meine Zugfahrten mit der Lektüre von
Angels & Demons (zu Deutsch: 'Illuminati') von Dan Brown verbracht.
Auch wenn es ein ungeschickter Zug ist (vorsicht, Wortwitz!), das Buch nicht in einem durchzulesen, fand ich es ziemlich spannend, unterhaltsam und kurzweilig: Der US-Professor Robert Langdon wird vom Leiter des CERN herbeigerufen um einen seltsamen Mordfall an einem Wissenschaftler aufzudecken. Langdon findet das anfangs absurd, da er mit Morden nichts zu tun hat -- aber ein Foto des Mörders lässt seine Neugier aufsteigen: Der tote Wissenschaftler hat ein Brandmal auf der Brust, was selbst vertikal gespiegelt noch lesbar ist: "Illuminati". Zufälligerweise ist Langdon ein Illuminati-Forscher und lässt sich sofort per Experimental-X33-Flieger zum CERN fliegen.
Dort erklärt ihm der Institutsleiter Maximilian Köhler die Details des Morders - der Wissenschaftler arbeitete an der Erforschung und Herstellung von Antimaterie. Es stellt sich heraus, das dies sogar geklappt hat, und der Mörder hat einen Antimateriecontainer gestohlen. Kurz darauf erfährt Langdon, Köhler und die Tochter des ermodeten Wissenschaftlers, dass der Container im Vatikan aufgetaucht ist. Dort startet gerade die Wahl des neuen Papstes, und es bleiben nur noch 6 Stunden, den Mörder samt gestohlener Papstkandidaten zu finden, um so den verstecken Antimateriecontainer ausfindig zu machen -- bevor er den Vatikan um mitternacht in einer gigantischen Explosion dem Erdboden gleichmacht.
Es folgt eine Hatz, in der Langdon uralte Illuminati-Spuren verfolgt, Denkmäler versucht zu findenl, in denen der Mörder jede Stunde einen Papst-Anwärter töten will. Dabei werden die Vatikanarchive und Aufzeichnungen Gallileos zu Hilfe genommen, und filigrane Spuren mit häufig auch falschen Schlüssen verfolgt.
Gerade diese Detektivjagd ist am spannendsten zu lesen; es ist wie ein TKKG-Roman auf 'ernsthaft'. Teilweise wundert man sich, auf welche Spuren Langdon kommt und sich an minimalen Hinweisen zu korrekten Schlüssen entlanghangelt. Aber oft kann man auch selber Hinweise entschlüsseln, oder wundert sich sogar wenn ein Hinweis von Langdon falsch entschlüsselt wurde.
Das Treten in Fettnäpfchen oder absichtlich falsch konstruierte logische Schlüsse ist mir in dem Buch als ziemlich entscheidend vorgekommen, und macht das Buch einfach spannender. Hier geht nichts aalglatt aus, es sterben schonmal wichtige Charaktere und man kann nie richtig voraussehen, welche Wendung die Story nimmt. Genauso sind Argumente pro Wissenschaft oder pro Religion gut verteilt, so dass man für beide Seiten eigentlich Sympathie entwickeln kann, und hin- und hergerissen ist welcher Logik man eher glauben möchte und für "wahrhaft" hält.
Zahlreiche kulturelle Referenzen, geschichtliche und religiöse Vorgänge werden von Dan Brown gut herübergebracht und man lernt tatsächlich etwas aus der Lektüre von 'Angels & Demons'. Dennoch ist die Fiktivität des gespielten allgegenwärtig, und lässt das Buch letzten Endes als angenehme Belletristik erscheinen.
Ich werde mir die anderen Bücher Dan Browns auf jeden Fall zulegen, sein Schreibstil ist ziemlich plakativ und deskreptiv; er hält sich nicht am filigranen auf, kann aber andererseits auch Kleinigkeiten gut genug ausschmücken, dass ich mir ein Bild von der Szenerie gut vorstellen könnte. Überhaupt eignet sich der Stoff sehr zur Verfilmung, ich bin mir sicher (und hoffe) dass da noch etwas kommen wird.
In IMDB-Relationen gesprochen würde ich dem Buch 9 Punkte geben, das Lesen des Buches hat süchtig gemacht. Schade dass es trotz seiner 500 Seiten so schnell zu Ende war...